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Elke Habekost
Elke Habekost
Redakteurin
Lesezeit:
6 Minuten
Veröffentlichungsdatum
19.09.2026
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Cannabis-Wirkung: Was du wirklich über THC, High & Co. wissen musst
Medizinisches Cannabis

Cannabis-Wirkung: Was du wirklich über THC, High & Co. wissen musst

Cannabis-Wirkung: Was du wirklich über THC, High & Co. wissen musst

Dass Cannabis high macht, ist kein Geheimnis. Doch was passiert dabei im Gehirn – und weshalb kann dieselbe Menge bei zwei Menschen völlig unterschiedlich wirken? Wir lösen das Rätsel um THC, CBD & Co.



Ein Cannabis-High kann sich ganz besonders anfühlen. Als würde die Zeit langsamer vergehen und die Welt für einen Moment zum Halten kommen. Der Kühlschrank besteht plötzlich nur noch aus Gourmet-Lebensmitteln und der Appetit darauf ist riesengroß. So zumindest die Theorie, die uns oft in Filmen und Serien vorgelebt wird.


In Wahrheit erlebt jede:r Cannabis auf eine ganz eigene Art. Manche fühlen sich entspannt und euphorisch, andere werden müde oder bekommen plötzlich Herzklopfen, Unruhe oder Angst. Eine Tatsache, die man vor allem vor dem ersten Konsum wissen sollte. Denn die Unterschiede bei der Cannabis-Wirkung könnten kaum größer sein. Immerhin versteckt sich dahinter ein komplexes Zusammenspiel aus Wirkstoffen, Gehirn, Körper und persönlicher Situation, das nicht zu unterschätzen ist.



Was passiert nach dem Konsum?

Aber der Reihe nach: Damit Cannabis wirken kann, müssen seine Inhaltsstoffe zunächst in deinen Körper gelangen. Und dabei spielt die Art des Cannabis-Konsums eine wichtige Rolle.


Beim Inhalieren, also zum Beispiel beim Rauchen oder Verdampfen, gelangen Cannabinoide über die Lunge schnell ins Blut und anschließend ins Gehirn. Deshalb kann die Wirkung bereits nach wenigen Minuten spürbar werden.


Wer Cannabis lieber in Form von Edibles (also oral) aufnimmt, dürfte ein ganz anderes Erlebnis haben. Hier muss der Wirkstoff nämlich zunächst den Magen-Darm-Trakt passieren und anschließend in der Leber verstoffwechselt werden. Die Wirkung setzt deshalb deutlich später ein. Und genau diese Verzögerung kann bei Unwissen und Ungeduld zum Problem werden.


Wer nämlich meint, noch einmal nachlegen zu müssen, dürfte kurze Zeit später von einer (zu) starken Wirkung überrascht werden.




Das Endocannabinoid-System: Cannabis dockt an körpereigene Strukturen an

Was erst einmal kompliziert klingt, ist tatsächlich aus wissenschaftlicher Sicht sehr spannend. Denn was viele nicht auf dem Schirm haben: Unser Körper besitzt ein eigenes Endocannabinoid-System, das unter anderem aus körpereigenen Botenstoffen und bestimmten Rezeptoren besteht, die im Nervensystem vorkommen.


Diese Rezeptoren sind für verschiedene Prozesse verantwortlich. Zum Beispiel für Stimmung, Appetit, Schmerzverarbeitung, Gedächtnis und Bewegung. Und genau auf diese Bereiche wirkt sich auch THC aus. Denn der Wirkstoff kann sich aufgrund seiner chemischen Struktur unter anderem an CB1-Rezeptoren binden. THC beeinflusst also die Signalübertragung im Gehirn, wodurch viele der typischen Effekte entstehen, die man mit einem Cannabis-High verbindet. Kurz gesagt: THC funkt in ein Signalsystem hinein, das unser Körper ohnehin besitzt.



THC: Der wichtigste Wirkstoff für das High

Doch was bedeutet es eigentlich, wenn von einem Cannabis-High die Rede ist? Meist ist damit vor allem die Wirkung des psychoaktiven Wirkstoffes THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) gemeint, der verschiedene Funktionen im Gehirn beeinflussen kann.


Wie genau sich das äußert, lässt sich leicht erklären. Konsument:innen können Entspannung und Euphorie, ein verändertes Zeitgefühl oder eine intensivere Wahrnehmung von Musik, Farben oder anderen Sinneseindrücken empfinden. Aber auch gesteigerter Appetit, Müdigkeit, eine schlechtere Konzentration sowie ein beeinträchtigtes Kurzzeitgedächtnis, eine verlangsamte Reaktionsfähigkeit und veränderte Koordination gehen damit einher.


Doch es gibt auch die andere Seite des Highs, die viele als deutlich beunruhigender empfinden. Gerade bei höheren Mengen THC können Unruhe, Angst, Misstrauen oder Panik auftreten. Wer also den Begriff “high” automatisch mit guter Laune und Entspannung verbindet, kann eine böse Überraschung erleben.



Warum wirkt Cannabis bei jedem Menschen anders?

Genau wie bei Alkohol kann man auch bei Cannabis nicht genau sagen, wie sich jemand nach dem Konsum verhält. Genauer gesagt ist die Wirkung und ihre Stärke an sechs Faktoren geknüpft.


1. Wie viel THC aufgenommen wird

Natürlich spielt es eine Rolle, wie hoch die Dosis ist. Denn mit der steigenden THC-Menge nimmt grundsätzlich auch das Risiko stärkerer unerwünschter Wirkungen zu. Heißt im Umkehrschluss: Mehr THC bedeutet nicht automatisch ein besseres Erlebnis.


2. Wie Cannabis konsumiert wird

Inhalieren und Essen führen zu unterschiedlichen Verläufen im Körper. Deshalb können sich Wirkungseintritt, Intensität und Dauer deutlich unterscheiden.


3. Wie viel Erfahrung jemand hat

Wer regelmäßig Cannabis konsumiert, kann bestimmte Wirkungen anders erleben als jemand, der kaum oder noch nie Cannabis konsumiert hat.


4. Wie Körper und Stoffwechsel reagieren

Menschen nehmen Wirkstoffe nicht identisch auf und bauen sie auch nicht exakt gleich schnell ab. Körperliche Unterschiede können deshalb ebenfalls eine Rolle spielen.


5. Wie man sich gerade fühlt

Ein wichtiger Punkt, der gerne unterschätzt wird, ist das “Set und Setting”. Heißt: Wer entspannt in vertrauter Umgebung ist, kann Cannabis anders erleben als jemand, der gestresst, angespannt oder in einer ungewohnten Situation ist.


6. Was außer THC noch enthalten ist

Cannabis besteht nicht nur aus THC. Auch andere Cannabinoide und Inhaltsstoffe können zur Gesamtheit der Wirkung beitragen.


Zusammenfassend sei also gesagt: Die Wirkung von Cannabis lässt sich nicht allein anhand einer Zahl auf dem Etikett vorhersagen.




Rauchen, Verdampfen, Essen: Wo liegt der Unterschied?

Mindestens genauso wichtig beim Konsum ist es, sich darüber im Klaren zu sein, dass die Form der Einnahme darüber entscheidet, wie schnell und lange Cannabis wirkt.


Wer inhaliert setzt auf eine schnelle Wirkung

Wer auf einen schnellen Effekt hofft, sollte den Wirkstoff deshalb am besten inhalieren. Beim Rauchen oder Verdampfen gelangt THC über die Lunge in den Blutkreislauf. Die Wirkung kann bereits innerhalb weniger Minuten einsetzen. Der Nachteil des Rauchens darf aber ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden. Denn durch die Verbrennung entstehen zusätzlich zahlreiche Stoffe, die die Atemwege und Lunge belasten können.


Bei Edibles heißt es: Geduld haben

Wer Cannabis in Form von Edibles zu sich nimmt, muss deutlich mehr Geduld mitbringen. Erste Effekte treten für gewöhnlich nach etwa 30 bis 90 Minuten auf. Die Wirkung kann anschließend mehrere Stunden anhalten.


Der Körper verarbeitet THC dabei anders als beim Inhalieren. In der Leber entsteht unter anderem 11-Hydroxy-THC, ein ebenfalls psychoaktiver Stoff. Das erklärt, warum sich ein Edible-High anders und teilweise intensiver oder länger anhaltend anfühlen kann.



THC, CBD und Terpene: Was steckt eigentlich in Cannabis?

Gerade für Neulinge sind die Begriffe manchmal ganz schön verwirrend und kompliziert. Deshalb macht es Sinn, sich Folgendes zu merken: THC macht psychoaktiv, CBD nicht klassisch high.


Was genau bedeutet das? THC ist der wichtigste Wirkstoff für das typische Cannabis-High. Es beeinflusst unter anderem Wahrnehmung, Stimmung, Gedächtnis und Koordination. Wohingegen CBD (Cannabidiol) zwar ebenfalls ein Cannabinoid ist, aber nicht auf dieselbe Weise berauschend wie THC wirkt. Ein typisches Cannabis-High wird durch CBD allein nicht ausgelöst.


Terpene sind verantwortlich für Duft und Aroma

Ein weiterer Begriff, der im Hinblick auf Cannabis immer wieder auftaucht, lautet Terpene. Dahinter verbergen sich Pflanzenstoffe, die nicht nur in Cannabis, sondern beispielsweise auch in Kräutern, Früchten und Gewürzen vorkommen. Sie prägen unter anderem den Geruch und Geschmack einer Cannabispflanze.


Häufig fällt im Zusammenhang mit Terpenen auch der Begriff “Entourage-Effekt”. Dahinter verbirgt sich die Theorie, dass verschiedene Inhaltsstoffe gemeinsam die Wirkung eines Cannabisprodukts beeinflussen können.


Aktuell werden diese vermeintlichen Wechselwirkungen erforscht. Für viele konkrete Aussagen wie “Dieses Terpen macht dich garantiert müde” ist die wissenschaftliche Datenlage allerdings noch nicht ausreichend.



Und wenn das High plötzlich gar nicht mehr angenehm ist?

Wie bereits erwähnt, ist ein Cannabis-High nicht immer positiv – oder kann sich nach einer hohen THC-Aufnahme durchaus ins Negative entwickeln. In diesem Fall können starke Unruhe oder Angst, Panikgefühle, Herzklopfen, Schwindel, Übelkeit, Verwirrtheit oder auch ein starkes Gefühl von Kontrollverlust auftreten. Gerade dann ist es besonders wichtig, Ruhe zu bewahren und vor allem nicht weiter zu konsumieren!


Eine vertraute, ruhige Umgebung kann dabei genauso gut helfen, wie eine vertraute Person in der Nähe zu wissen. Außerdem dürfen die negativen Gefühle nicht mit Alkohol oder anderen Drogen “betäubt” werden. Dass man unter Einfluss von Cannabis & Co. kein Autofahren oder Maschinen benutzen sollte, steht sowieso außer Frage.


Wichtig ist, sich zu merken: Die Wirkung von THC ist vorübergehend. Trotzdem solltest du dir bei starken oder ungewöhnlichen Beschwerden medizinische Hilfe suchen. Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen, schweren Atemproblemen, starken Brustschmerzen oder anderen lebensbedrohlichen Symptomen muss sofort 112 gewählt werden.




Cannabis-Wirkung: Individuell und unvorhersehbar

Die Antwort auf die Frage, warum Cannabis manche Menschen entspannt und andere nervös macht und warum Edibles viel länger wirken als inhaliertes Cannabis, ist ganz einfach abzuschließen: Weil die Cannabis-Wirkung (genau wie wir Menschen!) individuell ist.


Wie stark und auf welche Weise das THC die Prozesse im Gehirn beeinflusst, hängt aber von vielen Faktoren ab: von der Dosis über die Konsumform bis hin zu Erfahrung, körperlichen Voraussetzungen und der persönlichen Situation. Die wichtigste Erkenntnis lautet deshalb: Mehr THC bedeutet nicht automatisch mehr Genuss.


Wer Cannabis verstehen möchte, sollte also nicht nur auf den THC-Gehalt schauen, sondern immer das gesamte Zusammenspiel betrachten.


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