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Lesezeit:
5 Minuten
Veröffentlichungsdatum
27.05.2026
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PMOS statt PCOS: Was bringt die Umbenennung?
Gut zu wissen

PMOS statt PCOS: Was bringt die Umbenennung?

PMOS statt PCOS: Was bringt die Umbenennung?

Wer sich nicht ernstgenommen fühlt, bekommt selten die Hilfe, die er braucht. Insbesondere bei Krankheiten kann das drastische Konsequenzen haben. Daher ist die Umbenennung von PCOS zu PMOS ein Lichtblick für die vielen Frauen, die unter der Krankheit leiden und noch keine Diagnose erhalten haben. Aber auch die, die bereits diagnostiziert wurden, haben nun ein besseres Verständnis für ihren Körper.



Was früher noch PCOS (polyzystisches Ovarialsyndrom) genannt wurde, hat einen neuen Namen: polyendokrines metabolisches Ovarsyndrom (PMOS). Dabei steckt dahinter kein “Rebrand” – stattdessen handelt es sich um die Konsequenz neuer Forschungsergebnisse zu einer Hormonstörung, die jede achte Frau auf unserem Planeten betrifft. Mit der Umbenennung könnten es noch mehr Betroffene werden: Dank der neu gewonnenen Erkenntnisse soll die Diagnose – und somit auch die benötigte Hilfe –  für viele Frauen einfacher erhaltbar werden. Wieso hat die Umbenennung so eine große Auswirkung und was steckt hinter dem Kürzel PMOS?


PCOS heißt jetzt PMOS – und weiter?


Raider heißt jetzt Twix und PCOS jetzt PMOS – ein simpler Namenswechsel ist für gewöhnlich selten mehr als eine PR-Aktion. In Wirklichkeit hat die Umbenennung in diesem Fall reale Konsequenzen für diejenigen, die noch keine Diagnose erhalten haben, weil sie vor den bislang namensgebenden Zysten verschont geblieben sind. Mit der Umbenennung wird klar: Das Krankheitsbild PMOS schließt eine viel größere Bandbreite an Symptomen ein, als bislang angenommen. Ein Forschungsteam an über 56 Fachgesellschaften und Patientenorganisationen hat sich an einem langwierigen Umbenennungsprozess beteiligt und ihre Argumentation im Fachjournal “The Lancet” dargelegt. Das Vorkommen von Zysten an den Eierstöcken ist nicht länger ein Muss-Kriterium bei der Diagnose – stattdessen wurde durch die Forschung ein viel umfassenderes Krankheitsbild aufgestellt, sodass das große Dunkelfeld der Betroffenen aufatmen kann. Aktuell wird davon ausgegangen, dass rund 70 Prozent der an PMOS erkrankten Frauen keine Diagnose erhalten haben.


PMOS: Symptome und Auswirkungen


Frauen, die von PMOS betroffen sind, leiden häufig unter denselben Symptomen, die oft erst dann festgestellt werden, wenn ein Kinderwunsch vorliegt. Denn die Hormonstörung kann großen Einfluss auf die Gebärfähigkeit der Betroffenen haben und wird nicht selten erst im letzten Moment festgestellt. Dabei gibt es viele Symptome, die schon weit im Voraus Anhaltspunkte dafür geben können, dass die Erkrankung an PMOS vorliegt. Zu den gängigsten Symptomen gehören:


  • Eine unregelmäßige oder komplett ausbleibende Periode
  • Eine für Frauen ungewöhnlich starke Körperbehaarung an Stellen wie dem Kinn, der Brust, der Oberlippe oder dem Rücken


Weniger häufig, aber dennoch nennenswert ist die Verbreitung einer vergrößerten Klitoris sowie einer tieferen Stimme, die auf das Hormonungleichgewicht hinweisen kann. Gleichzeitig tritt PMOS häufig in Kombination mit Begleiterscheinungen wie Adipositas, Depressionen, Haarausfall oder Akne in Erscheinung. Allesamt eine Indikation dafür, dass die Betroffenen unter der Hormonstörung leiden. 



Ursprung der Symptome ist das Ungleichgewicht im Hormonhaushalt der betroffenen Frauen, das durch die Umbenennung (polyendokrines metabolisches Ovarsyndrom) mehr in das Zentrum der Debatte gerückt ist. Betroffene von PMOS weisen einen Überschuss an Testosteron auf, welches im Normalfall weniger häufig als Östrogen und Progesteron im Hormonhaushalt vorkommen sollte.


Gleichzeitig wird durch die Umbenennung auch mehr Wert auf die mit der Störung einhergehenden Stoffwechselprobleme, also die Störungen im Metabolismus, eingegangen, die sich in Form von Übergewicht, Binge Eating oder einer Insulinresistenz äußern können. Was genau der Grund für die Hormonstörung ist, wurde noch nicht hinreichend erforscht.


Leben mit PMOS – wie geht es weiter?


Die Umbenennung ist für viele Betroffene ein Lichtblick: Denn trotz der weiten Verbreitung des Krankheitsbildes kämpfen viele Frauen, die unter den Symptomen leiden, darum, in ihrem Leiden auch ernstgenommen zu werden. Dass so vielen Betroffenen die passende Diagnose fehlt, kann darauf zurückgeführt werden, dass Gynäkolog:innen sich bei der Diagnostik auf die bislang namensgebenden Zysten konzentriert haben – die, wie der aktuelle Stand der Forschung belegt, jedoch gar nicht zwingend Teil des Krankheitsbildes sein müssen. 



Allerdings existiert bislang keine endgültige Heilung für Betroffene. Bei Patientinnen, die einen Kinderwunsch hegen und an PMOS erkrankt sind, kommen oft Medikamente zum Einsatz, die sich auf den Eisprung auswirken und so die natürliche Befruchtung unterstützen können. In Fällen, in denen die medikamentöse Behandlung allein nicht ausreicht, werden folglich oftmals alternative Wege der Befruchtung, wie die In-vitro-Fertilisation, in Anspruch genommen. 


Patientinnen, die sich nicht in der aktiven Familienplanung befinden, bleibt häufig ein Weg, um sich mit ihrer Krankheit zu arrangieren: Das Pflegen eines aktiven Lifestyles mittels gesunder Ernährung und regelmäßigem Sport. Mediziner:innen weisen immer wieder darauf hin, dass der Gewichtsverlust nachweislich zur Linderung der Symptome führt und daher der “simpelste” Weg zur Gesundung ist – auch wenn er nicht allen leicht fallen mag. 


Aufholbedarf in der Frauengesundheit


Der “Fall PMOS” zeigt, was vielen Frauen längst fast schon schmerzlich bewusst ist: Es gibt einen ordentlichen Aufholbedarf in der Forschung zur Frauengesundheit. Wer jahre- oder gar jahrzehntelang um eine Diagnose kämpfen musste, fühlt sich von unserem Gesundheitssystem allein gelassen. Dass sich nun etwas bewegt, zeigt aber auch, dass man nicht vergeblich auf Fortschritte hoffen muss. Betroffenen von PMOS oder denjenigen, die es vermuten zu sein, bleibt nun eins: in den Austausch gehen, sowohl mit ihren Gynäkolog:innen als auch mit den Frauen in ihrem Umfeld. Denn nur wer über seine Erkrankung spricht, kann Awareness schaffen und nur wer seine Bedenken bei seinen Ärzt:innen anspricht, kann auch die Hilfe bekommen, die sie verdient.

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