Präsentismus: Solltest Du trotz Krankheit zur Arbeit gehen?

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Krank auf Arbeit zu erscheinen, hat nicht nur für Deine Gesundheit Nachteile, sondern auch für Deine Firma. Präsentismus heißt, dass Arbeitnehmer trotz Krankheit am Arbeitsplatz erscheinen und die dadurch bedingte Unproduktivität sowie die Gefahr, Fehler zu machen, einen erhöhten Schaden für das Unternehmen riskieren. Präsentismus beruht auf dem fatalen Irrtum, mit der Anwesenheit trotz Krankheit etwas Gutes zu tun. Ein anwesender kranker Mitarbeiter verursacht jedoch doppelt so hohe Kosten wie ein krankgeschriebener, der Zuhause bleibt. Warum Du Dir und der Firma, für die Du arbeitest, damit keinen Gefallen tust und wieso es besser ist, auch für Deinen Chef, Deinem Körper bei Krankheit die nötige Erholung zu gönnen, erfährst Du hier.

Präsentismus: Was ist das?

Für viele von uns gehört der eigene Job zum Leben einfach dazu. Einer regelmäßigen bezahlten Beschäftigung nachzugehen, ist genauso normal, wie Freunde zu treffen oder in eigenen Hobbys aufzugehen. Wenn es uns mal erwischt, wir einer Erkältung oder einer anderen Krankheit erliegen, sagen wir Freunden ab und verschieben auch andere Freizeitaktivitäten. Normalerweise bleibt man durch Krankmeldung auch der Arbeit fern. Es gibt Arbeitnehmer, die das allerdings selten tun. Sie gehen ungeachtet eindeutiger Anzeichen für eine bevorstehende Krankheit zur Arbeit. Dieses Verhalten nennt die Forschung Präsentismus, die Präsenz am Arbeitsplatz trotz krankheitsbedingter Beeinträchtigung.

Während das gegensätzliche Thema des Absentismus, das absichtliche Fernbleiben der geplanten Arbeit, in den Management-Wissenschaften seit jeher große Aufmerksamkeit genießt, rücken der Präsentismus und seine Folgen erst in jüngster Zeit in den Fokus.

Krank zur Arbeit: Warum?

Es gibt verschiedene Gründe, die einen Menschen dazu bewegen, die eigene Gesundheit in den Hintergrund zu rücken und trotz konditioneller Nachteile zur Arbeit zu gehen. Stress, hohe Arbeitsanforderungen und die fühlbar kaum zu bewältigende Arbeitsmenge bedingen Präsentismus, genauso wie ein hohes Maß an Loyalität, dem Arbeitgeber oder den Kollegen gegenüber. Mitarbeitende sollen nicht zusätzlich belastet werden und die eigene Arbeitskraft darf nicht fehlen. Angst den Job zu verlieren und auch selbige vor Unverständnis, gerade bei psychischen und chronischen Leiden, sind genauso wie leistungsbezogenes Selbstwertgefühl oder das Gefühl, unersetzlich zu sein, beobachtete Gründe.

Im Gesundheitswesen, sowie in Sozial- und Erziehungsberufen, ist es besonders verbreitet, entgegen ärztlicher Anordnung zu handeln und trotz eindeutiger Symptomatik auf der Arbeit zu erscheinen. Nicht nur in diesen Berufen ist ein optimaler Gesundheitszustand – für sich selbst und für die Menschen, mit denen man zusammenarbeitet und verantwortlich ist – bedeutend. Vielerorts ist es nicht unüblich, sich erst krankzumelden, wenn man buchstäblich nicht mehr aus dem Bett kommt. Doch ein solches Vorgehen, vom guten Willen der uneingeschränkten Arbeitsleistung angetrieben, bedingt aufgrund mangelnder Gesundheitspflege schlussendlich längere Ausfallzeiten und mögliche Langzeitfolgen.

Sich selbst und anderen schaden

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Krank zur Arbeit zu gehen, birgt einige Risiken. Der Verzicht auf eine Krankmeldung bedeutet auch Verzicht auf Ruhe und vollständige Genesung. Eine mögliche Chronifizierung des Krankheitsgeschehens und somit spätere längere Ausfallzeiten können die Folge sein. Zudem wird die Gesundheit von Kollegen bei nicht erkannten ansteckenden Infektionskrankheiten gefährdet, die dann ihrerseits ausfallen oder Präsentismus pflegen. Das alles bleibt für ein Unternehmen nicht ohne Folgen.

Eine exemplarische Studie aus dem Jahr 2011 (Maar und Fricker) kam zu dem Ergebnis, dass Beschäftigte, die trotz nicht genesener Krankheit ihrer Arbeit nachgehen, doppelt so hohe Kosten verursachen wie kranke Beschäftigte, die zu Hause bleiben. Eingeschränkte Leistungsfähigkeit, Fehler und Unfälle sind hier die Kostenfaktoren. Es entfallen durch Produktivitätsverlust letztlich mehr Arbeitstage, als durch Krankmeldungen. Unternehmen haben daher verständlicherweise ein großes Interesse daran, ihre Mitarbeiter bei einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit vollständig gesunden zu lassen.

Arbeitnehmern ist das oftmals gar nicht klar. Sie riskieren andauernde Erschöpfungszustände und einen schlechten Gesundheitszustand, weil sie Fehlzeiten vermeiden wollen. Bei Anzeichen einer Krankheit ist es daher sehr ratsam, durch eine Krankmeldung und einen AU-Schein lieber kurzfristig zu genesen, als langfristig krank zur Arbeit zu gehen und damit etliche negative Folgen zu riskieren.

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Prävention von Präsentismus

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Studien belegen eindeutige Nachteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, wenn der Einzelne also entgegen ärztlicher Empfehlung entscheidet, trotz Erkrankung zur Arbeit zu gehen. Für Unternehmen kann es teuer werden, wenn Beschäftigte auf eine nötige Krankmeldung verzichten. Hier wurde längst erkannt, dass ein Erscheinen auf der Arbeit nicht gleichzusetzen ist mit einem gesunden und voll einsatzfähigen Mitarbeiter. Genauso wenig wie das Fernbleiben der Arbeit, eine Krankheit voraussetzt (Absentismus). Hier kann auch psychischer Stress oder fehlende Motivation ein Marker für eventuell fehlgeleitete Unternehmensführung sein.

Immer häufiger wird an betrieblichen Rahmenbedingungen gearbeitet, um die physische und psychische Gesundheit der Beschäftigten zu stärken und ihre Arbeitsfähigkeit und Zufriedenheit zu erhalten. Es tut sich was und Unternehmen investieren immer mehr in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Auch seelische Gesundheit ist hier kein Tabu mehr, denn auch mentale Gesundheit ist ein großes Thema und kann bei andauernden Präsentismus erhebliche Langzeitfolgen mit sich bringen. Dieses betriebliche Gesundheitsmanagement zahlt sich aus: Unternehmen, die firmeninterne Gesundheitsförderung etablieren, verzeichnen weniger krankheitsbedingte Personalausfälle und sind auch deutlich weniger von Präsentismus betroffen als Unternehmen, die keine Angebote für Präventionsmaßnahmen machen.

Du weißt vielleicht, dass Du die Zügel Deiner Gesundheit streckenweise auch selbst in der Hand hältst. Ein starkes Immunsystem durch sportliche Aktivitäten, gesunde Ernährung und Minimierung von belastenden Faktoren wie zu viel Alkohol oder Zigaretten hilft, auch in stressigen Zeiten gesund zu bleiben. Beuge Krankheitsentstehung auch aktiv vor, beispielsweise durch Präventionskurse. Der Blick auf sich selbst und das Hören auf Warnsignale fördern eine ausgeglichene Gesundheit. Es lohnt sich, auf Dich zu achten, denn Du bist das Wertvollste, was Du hast.

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Hinweis: Dieser journalistische Beitrag ohne jegliche Haftung enthält keine Heilversprechen, Werbung oder ärztliche Beratung.

ACHTUNG: Suchtgefahr!

Falls Du süchtig bist oder wirst, findest Du Hilfe z. B. hier.

 

10 % bis 30 % (Fußnoten 1 & 2) der Cannabis-Konsumenten werden süchtig, d. h. sie können nicht aufhören, Cannabis zu konsumieren, obwohl es gesundheitliche und soziale Probleme verursacht.
Die Suchtgefahr ist bei Personen größer, die Cannabis häufiger und bereits als Jugendliche konsumieren.(3)
Süchtige haben auch ein höheres Risiko für andere negative Folgen, wie z. B. Probleme mit der Aufmerksamkeit, dem Gedächtnis und dem Lernen.

Folgende Anzeichen deuten auf eine Cannabis-Sucht hin (4):

- Verlangen nach Cannabis oder Entzugserscheinungen ohne Cannabis.
- Erfolgloser Versuch, mit dem Cannabiskonsum aufzuhören.
- Cannabis zu konsumieren, obwohl es körperliche oder psychische Probleme verursacht.
- Cannabis zu konsumieren, obwohl es Vernachlässigung oder sonstige Probleme mit Familie, Freunden oder Kollegen verursacht.
- Cannabiskonsum in riskanten Situationen, z. B. beim Autofahren.
- Mehr Cannabiskonsum als beabsichtigt oder viel Zeit mit Cannabis zu verbringen.
- Das Bedürfnis, mehr Cannabis zu konsumieren, um den gleichen Rausch zu erleben.

 

(1) Lopez-Quintero C, de los Cobos JP, Hasin DS, et al. Probability and predictors of transition from first use to dependence on nicotine, alcohol, cannabis, and cocaine: Results of the National Epidemiologic Survey on Alcohol and Related Conditions (NESARC). Drug and Alcohol Dependence. 2011;115(1-2):120-130.
(2) Hasin DS, Saha TD, Kerridge BT, et al. Prevalence of marijuana use disorders in the United States between 2001-2002 and 2012-2013. JAMA Psychiatry. 2015;72(12):1235-1242.
(3) Winters KC, Lee C-YS. Likelihood of developing an alcohol and cannabis use disorder during youth: association with recent use and age. Drug and Alcohol Dependence. 2008;92(1-3):239-247.
(4) American Psychiatric Association. Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (5th ed). Washington, DC; 2013.